Mit Lena in Malcesine von Alfred Wings, Eichenstr.77,52249 Eschweiler, 27.07.2007

Klack, klack...klack,klack. Sieben Uhr am Morgen, es ist still in Malcesine, nur die kleinen Rollen des Kinderbuggys quälen sich auf den Pflastersteinen in der Altstadt und stören die morgendliche Ruhe.

14 Tage Gardasee, Hotel Laura Christina, angepappt am Fuße des Monte Baldo, zum ersten Male Urlaub zu dritt und nur der Wunsch nach Ruhe, Urlaub und Sonnenschein.

Wieso haben wir uns eigentlich gedacht, Lena würde in einem fremden Bett länger schlafen als zu Hause?

Am ersten Urlaubstag haben wir ab 6 Uhr in der Früh im Hotelzimmer das komplette Animationsprogramm durchgezogen, nachdem sie mit ihrer markanten durchdringenden Stimme die übrigen Hotelgäste einzeln begrüßt hatte, die dann auch gleich mit kurzen Rufen nicht unbedingt erfreut geantwortet hatten.

Nachdem am zweiten Tag der Hotelmanager diskret im Morgengrauen ein Malbuch, eine Hörspielkassette und ein Ärzteverzeichnis vorbei brachte und die Zimmernachbarn ebenfalls kurz vorbei schauten , zog ich wenig später mit Lena los. Zunächst mürrisch, neidisch auf alle anderen Urlauber dieser Welt , schob ich die nörgelnde Lena durchs dunkle Hotel, der schläfrige Portier hob den Kopf, hielt mir die Türe auf, endlich kehrte wieder Ruhe ein im Hotel.

Auch heute bin ich unterwegs. Das monotone Geräusch der Kinderwagenrollen zeigt schnell Wirkung. Das Sanitastuch mit den Eigelbflecken in der rechten Hand, Omas Teddy in der linken , Lena sucht und findet den Schlaf. Ich könnte vor Stolz und Glück platzen, so, wie sie da liegt, unschuldig, klein, leise. Über den Corso Garibaldi, am Kiosk an der Piazza Statuo an den auf dem Boden liegenden, noch eingeschweißten Zeitungen aus aller Welt vorbei bis zur Eisdiele "La Dolce Vita", von der behauptet wird, dass es hier das beste Eis Italiens gibt. Hier wartet man morgens nicht geduldig in einer Schlange, ich biege rechts ab in die enge Gasse der Via Porto Vecchio, an Pedros Pizzeria vorbei. Dort sind die Türen offen, es riecht nach Pasta und Rotwein, kein Laut dringt nach draußen, die Stühle stehen auf den Tischen, ein Putzeimer vor der Theke. An der Piazza Magenta sitze ich alleine am Kai, die Kleine schläft, ich schaue rüber nach Limone auf der anderen Seite des Sees, Boote dümpeln träge im Wasser, eine Ente schaut mich lange fragend an, was ich so früh hier mache. Die Morgensonne klettert über den Monte Baldo, die ersten Strahlen streicheln den Gardasee.

Weiter bis zur Piazza Don Turazza, unterhalb der mächtigen Burg. Der Platz des alten Malers mit dem markanten Kinn, der abends Touristengesichter skizziert, ist noch verwaist.

Jeden Morgen dieselbe Uhrzeit, derselbe Weg, dieselben Gesichter. Der Frisör an der Ecke, die Reinigungskolonne, die sich am alten Hafen trifft, mein blauer Kinderwagen mit dem schlafenden Engel gehört nun dazu, der Mann, der an der Piazza Marconi Schiffstickets verkauft, winkt mir freundlich zu, als er mich sieht.

Die engen Gassen dünsten den Geruch von Leder, Espresso und Souvenirs aus, sie scheinen Luft zu holen, nur wenige Momente noch bis zu den nächsten Touristenströmen.

Es ist kurz vor 9, ich bin wieder im Hotel, der Portier lächelt, mit Lena wecke ich meine Liebste, wir schmusen im Bett und dann , beim Frühstück, werde ich von meinem dicken, bleichen Zimmernachbarn aus England mit einem anerkennenden "good job" begrüßt.

Ich liege am Pool, Surfer auf dem Gardasee, ein Kuss von meiner Liebsten, ein blauer Himmel, süßes Nichtstun.

Ein Tag noch, dann fahren wir nach Hause. Mit der Frage, ob ich mich morgen früh bei dem Ticketverkäufer verabschieden soll, schlafe ich ein.....